Unsere Heimat
Ortsschild Königshoven
Stadt Bedburg, Rhein-Erft-Kreis
Königshoven und der Braunkohlenbergbau
Wie so viele andere dorfgeschichtliche Gedenktage ist auch das Jahr 1986 in die Königshovener Geschichte eingegangen: Es markierte den Abschluss der Umsiedlung einer großen historischen Ortschaft an den neuen Standort bei Bedburg-Kaster. Mit der Einweihung des Dorfplatzes an der Josef-Schnitzler-Straße am 27. September 1986 wurde der Schlussstein auf die Umsiedlung dieses Ortes gesetzt. Fünfzehn Jahre sind seitdem vergangen. Zeit, Rückschau zu halten, wie alles geworden ist. Diese bisher größte Umsiedlung eines intakten, lebensbejahenden Ortes hat bewiesen, dass sich für die Gemeinschaft der Umsiedler eine geschlossene Umsiedlung "fünfzehn Jahre danach" als positiv erwiesen hat.
Zusammengeschweißt durch ein gemeinsames Schicksal, durch Beschwernisse und Belastungen im privaten Bereich, haben vor allem Kirche und Vereine die Bürger immer wieder aufgerichtet und mitgeholfen, Schweres zu erleichtern. Das Vereinsleben hat sich in den letzten fünfzehn Jahren erfreulich weiterentwickelt: die meisten Mitgliederzahlen sind gewachsen. Das erste zaghafte Grün der Gärten und Anlagen, die Bäume an den Straßen, alles ist erwachsener geworden und trägt zum freundlichen Bild des Ortes bei.
Die Planungen für den neuen Standort waren immer begleitet von Bürgerversammlungen. Der von den Planern entworfene, von den Bürgen erbaute "Maßanzug" des neuen Königshoven ist zur bequemen Alltagskleidung geworden, in der man sich am wohlsten fühlt. Dass dies so ist, dass das gepflegte Ortsbild in seinem üppigen Grün allen früheren Unkenrufen zum Trotz Heimat geworden ist, kommt in allen Befragungen und Gesprächen immer wieder zum Ausdruck; mit den einfachen Worten: "Wir sind hier wirklich zu Hause".
Es entspricht dem gesunden Selbstbewusstsein der Bevölkerung, auch in schwierigen Situationen immer verbindliche Worte zu finden. Das haben in der Umsiedlungszeit Rheinbraun-Mitarbeiter vor Ort bei Entschädigungsfragen und Neubaufinanzierungen erfahren, alles wurde auf gütlichem Weg geregelt. So selbstverständlich, wie die Bürger den Ort geplant, gebaut und angenommen haben, so leben sie heute in ihm als ihre Heimat.
Braunkohlebagger
Hier wurde unser alter Ort abgebaggert.
Umsiedlung Königshoven.
Für Königshoven ergab sich die Umsiedlung aus der Verbindlichkeitserklärung des Raumes Kaster im Jahre 1956 für den damaligen Tagebau Frimmersdorf-Süd. 1970 konnte mit der konkreten Umsiedlungsplanung begonnen werden. 1975 begann die Erschließung des neuen Standortes. Schon im darauffolgenden Jahr 1976 konnte der erste Neubau in Neu-Königshoven bezogen werden. 1977 wurde der neue Friedhof eingeweiht, drei Jahre später das neue Pfarrzentrum.
1978 beging die katholische Pfarrgemeinde - und das ganze Dorf - die feierliche Grundsteinlegung der neuen Pfarrkirche St. Peter und im gleichen Jahr erhielt der Bebauungsplan für den landwirtschaftlichen Weiler Hohenholz Rechtskraft. Dort begann 1981 der erste Landwirt mit dem Bau seines neuen Hofes. Mit dem Umzug des letzten Umsiedlers in das neue Königshoven im Jahre 1987 fand die Umsiedlung ihren Abschluss.
Das Beispiel der Umsiedlung eines so großen Ortes wie Königshoven hat weithin beachtete Zeichen gesetzt. Alle Beteiligten haben sich gegenseitig als gleichberechtigte Partner anerkannt. Eine umfassende und fortdauernde wechselseitige Information hat sich als notwendig und vorteilhaft erwiesen. Die betroffenen Bürger waren daher von Anfang an bereits in der Planungsphase beteiligt worden.
Der damalige Bürgermeister von Königshoven (heutiger Ortsvorsteher), Willy Moll, fasste einmal seine Erfahrungen zusammen: "Man kann sogar Nachbarschaften mit umsiedeln. Der Zusammenhalt der Bürger ist wichtig. Und wenn man umsiedelt, dann soll man es so schnell wie möglich tun, dann nämlich bleibt der Zusammenhalt der Bürger gewahrt und die Gemeinschaft des alten Ortes wird auf den neuen übertragen."
Blick auf die alte Königshovener Kirche, Kirchberg
Königshoven heute.
Unser Dorf soll noch schöner werden
Gemeinschaft ist in Königshoven immer praktiziert worden. Das bezeugt nicht nur die erstaunliche Vielzahl der Vereine, von denen einige (auch wir) auf eine beachtenswerte Tradition zurückblicken können. Ihre Feste und Veranstaltungen feiert das ganze Dorf mit und unterstellt sich damit einem Jahresablauf, wie er nicht im Kalender steht.
Die Umsiedlung hat diesen Gemeinschaftssinn bestätigt, denn die Bürger haben zusammengefunden, weil das Verbindende nicht nur für fröhliche Zeiten galt, sondern Hilfestellung in schweren Jahren gab. Ausdruck von Zusammengehörigkeit durch gemeinsames Schaffen für das Ansehen des neuen Ortes ist die ununterbrochene Teilnahme des Königshovens am Wettbewerb "Unser Dorf soll schöner werden".
Im Januar 1976 zog das erste Umsiedlungspaar ins neue Dorf. Bereits fünf Jahre später, 1981, entschlossen sich die Bürger zur ersten Teilnahme am Wettbewerb, bei dem ja nicht nur das noch im Entstehen begriffene neue Ortsbild, sondern auch die Aktivität der Dorfgemeinschaft bewertet werden. Beim ersten Mal wohnten 1110 Einwohner in den neuen Häusern, 224 waren noch am alten Ort. Seither nahm Königshoven jedes Jahr am Wettbewerb teil. Die Liste von 1981 bis 1995 weist eine stolze Bilanz der gemeinsamen Anstrengungen aus:
Kirche St. Peter Königshoven
Ehrenmal
Ergebnisse Kreiswettbewerb
| 1981 | 8. Platz |
| 1982 | 3. Platz |
| 1983 | 3. Platz |
| 1984 | 3. Platz |
| 1985 | 2. Platz |
| 1986 | 2. Platz |
| 1987 | 2. Platz |
| 1988 | 1. Platz |
| 1989 | 1. Platz |
| 1990 | 4. Platz |
| 1991 | 2. Platz |
| 1992 | 1. Platz von 49 Ortschaften |
| 1993 | 2. Platz von 46 Ortschaften |
| 1994 | 2. Platz von 45 Ortschaften |
| 1995 | 2. Platz von 43 Ortschaften |

